Landesheimatspiele der Provinz Westfalen auf dem Hohenstein bei Witten

Die ehemalige Freilichtbühne auf dem Hohenstein

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Das Spieljahr 1926

Sonderstempel 1926

Schauspiel "Wilhelm Tell" von Friedrich Schiller

Spielzeit Mai bis September 1926 mit 700 Laienschauspielerinnen und Laienschauspielern (530 Erwachsenen und 170 Kindern).

Die erste öffentliche Aufführung war am 23. Mai 1926. Vorher am 19. Mai 1926 gab es eine geschlossene Veranstaltung. Oberbürgermeister Otto Laue (* 1875 1933) begrüßt 1000 Gäste im Hohenstein-Restaurant u. a. auch auswärtige Pressevertreter zur "Wilhelm Tell" Aufführung.

Wittener Tageblatt vom 26.05.1926

 

Festschrift von 1926

Festschrift zu den Landesheimatspielen der Provinz Westfalen in Witten-Ruhr 1926

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Aus dem Geleitwort des Landeshauptmannes der Provinz Westfalen Dr. Franz Dieckmann (* 1875 1944):

". . so sollen die Heimatspiele am Hohenstein besonders unserer Industriebevölkerung körperliche Erholung

in der Stille des Waldes und geistige Erhebung durch die Wirkung des Spieles bringen".

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Der Oberbürgermeister Otto Laue (* 1875 1933) schrieb zum Geleit:

"Die Stadt Witten begrüßt es , der gesamten Industriebevölkerung durch die Spiele die Möglichkeit zu einer geistigen Erholung zu geben, ihr daneben aber auch die Schönheiten des Ruhrtals, auf dessen angrenzendem Hügelland der Naturpark Hohenstein liegt, vor Augen zu führen, also auch dem Körper eine wohltuende Erfrischung zu geben".

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Dr. Konrad Maria Krug (* 1892 † 1964), schrieb zur Einleitung:

"Mitbestimmend für jede Freilichtaufführung ist der natürliche Raum, die Landschaft, in die die Handlung wie in den gemäßen Raum hineinkomponiert werden muß. Und hierfür ist in der prächtigen Talschlucht des Hohensteins eine überaus günstige Gelegenheit geboten. An den Hängen werden die großen Bilderfolgen der Hunderte von Darstellern, die Heimkehr der Sennen von der Alm, der Bau an der Zwingburg, der Apfelschuß, die große Schlußszene zu wirkungsvoller Entfaltung kommen können.

So steht zu hoffen, daß auch in Witten, mitten im Kranz der großen Städte, der Tell Schillers das werden möge, was Schiller von seinem Werke erhoffte, daß es ein Sinnbild sei vom deutschem Volk, von deutscher Freiheit und von deutschem Frommsein".

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Der Verkehrsverein der Stadt Witten schreibt zu den Landesheimatspielen:

"Dem Sommer geht´s entgegen. Stadt und Land rüsten sich, um hinaus zu wandern und zu reisen in die schöne Natur. Die Zeitverhältnisse sind zwar schlecht und das Geld ist knapp, um größere Reisen zu machen. Dieses ist aber auch gar nicht nötig, bietet doch die engere Heimat derartige Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten wie keine andere Gegend. Mit geringen Mitteln ist alles möglich. Die Stadt Witten, am Rande des Industriegebietes gelegen und von jeher die Perle des Ruhrtales genannt, bietet an Naturschönheiten und Erholungsmöglichkeiten die gleichen Vorzüge wie mancher Luftkurort und ist aus allen Teilen des Industriegebietes leicht zu erreichen.

Eine besondere Sehenswürdigkeit bietet die Stadt in diesem Jahre durch die Übernahme der Landesheimatspiele der Provinz Westfalen. In dem über 100 ha großen Stadtwald Hohenstein, weit über die Grenzen des Industriebezirks hinaus als schönster Naturpark bekannt, ist eine Freilichtbühne errichtet, auf der im Laufe des Sommers unter der künstlerischen Leitung von Herrn Dr. Krug, Münster, das Schauspiel "Wilhelm Tell" aufgeführt werden wird.

Was liegt da näher, als in diesem Jahre die schöne Stadt Witten aufzusuchen. Hotels und Gasthöfe bieten jedem Besucher nach seinem Geschmack gute, billige Unterkunft und Verpflegung. Darum kommt ins Ruhrtal, besucht die Stadt Witten und die Aufführungen auf der Freilichtbühne des Hohensteins".

Festschrift zu den Landesheimatspielen der Provinz Westfalen in Witten-Ruhr 1926

Allgemeine Richtlinien für die Besucher der Landesheimatspiele

Die Aufführungen des Schauspiels "Wilhelm Tell" von Schiller finden vom 23. Mai ab Mittwochs, Sonnabends und Sonntags jeder Woche - und nach Bedarf auch an anderen Tagen - von 4 - 7 Uhr Nachmittags in dem Naturtheater im Stadtwald Hohenstein statt. Als Spieltag für Schulen ist vorwiegend der Mittwochnachmittag jeder Woche vorgesehen.

Die Anmeldungen von Schulen, Vereinen und anderen größeren Gesellschaften sind an die Geschäftsstelle der Freilichtspiele Witten, Rathaus zu richten.

Im Interesse der Besucher liegt es, die Plätze vorzubestellen. Falls eine Aufführung ausverkauft ist, werden die Anmeldungen, die mehr als 20 Personen umfassen, für die Aufführung an dem gleichen Tage der folgenden Woche vorgemerkt.

Falls für zusammenhängende Gebiete mindestens 500 Besucher angemeldet sind, wird die Zusammenstellung eines Sonderzuges 4. Klasse veranlasst.

Festschrift zu den Landesheimatspielen der Provinz Westfalen in Witten-Ruhr 1926

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Die Tell-Austattung lieferte Franz Sommer, Theater-Ausstattungen, Witten (siehe Werbung mit den Landesheimatspielen).

Einen weiteren Teil der Ausstattung lieferte Josef Bleeker, Münster, Vertrieb von historischen Kostümen (siehe Werbung mit den Landesheimatspielen).

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Spielfläche mit Stauffacherhaus (links) und Tellhaus (rechts)

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Zweiter Aufzug - Zweiter Auftritt - Eine Wiese (Rütliwiese) von hohen Felsen und Wald umgeben ( Programmheft 1926, S. 34).

So schwör´ich droben bei ew´gen Sternen, daß ich mich nimmer will vom Rechten entfernen. (Man richtet die zwei Schwerter vor ihm auf, der Ring bildet sich um ihn her).

( Programmheft 1926, S. 40)

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Dritter Aufzug - Dritter Auftritt - Wiese bei Altdorf

Geßler, Nun Tell! Den Apfel treffest auf den ersten Schuß, denn fehlst du ihn, so ist der Kopf verloren.

(Programmheft 1926, S. 56)

    

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Vierter Aufzug - Dritter Auftritt - Die hohle Gasse bei Küßnacht.

Eine Hochzeit zieht über die Szene und den Hohlweg hinauf. Tell betrachtet sie, auf seinen Bogen geleht.

(Programmheft 1926, S. 78)

Vierter Aufzug - Dritter Auftritt - Die hohle Gasse bei Küßnacht

(Die Frau wirft sich vor dem Landvogt nieder)

Irmgard. Mein Mann liegt im Gefängnis, die armen Waisen schrein nach Brot - habt Mitleid, gestrenger Herr, mit unserem Elend.

(Programmheft 1926, S. 81)

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Fünfter Aufzug - Letzter Auftritt

Die Schweizer umstehen den ganzen Talgrund vor Tells Wohnung, nebst den Anhöhen, welche ihn einschliessen. Andere kommen über einen hohen Steg, der über den Schächen führt. Wie Tell heraustritt empfangen ihn alle mit lautem Frohlocken.

Es lebe Tell! Der Schütz und der Erretter!

Alle Schweizer wiederholen den Schwur mit aufgehobenen Händen. Die Musik fällt jubelnd ein und singend verlassen die Schweizer die Szene.

Drum einig, einig einig. In Not und in Gefahr! Ja, einig, einig, einig wie heut´ so, immerdar!

Zur Freiheit wir dann schreiten, wie Bruder Hand in Hand; wie zu der Väters Zeiten blüht nun das Vaterland.

Heimatland! Vaterland! Freiheit!

Schlußszene - Schlusschor mit der Musik von Bernhard Friedhoff (* 1863 1942) - Text von Hedwig Elsa Brauckmann (* 1889 1968)

(Der komplette Text mit allen 4 Strophen, siehe Spieljahr 1929 unter Liedertexte)

  


Die folgenden Bilder auf dieser Seite von: Gunthilde Sohn, Enkelin von Ernst Heinrich Fischer, Mitspieler der Landesheimatspiele auf dem Hohenstein von 1926 bis 1930.

Bildmitte hinten: Elisabeth Fischer, geb. Klein (* 1901 1992), rechts daneben: Ernst Heinrich Fischer (* 1895 1987)

    

Bild links: J. Lödige als Wilhelm Tell (Angaben auf der Rückseite des Bildes)

Bildmitte und rechts: Ernst Heinrich Fischer (* 1895 1987) als Werner, Freiherr von Attinghausen und Holtmann (?) als sein Neffe Ulrich von Rudenz

Ernst Heinrich Fischer (* 1895 1987) als Werner, Freiherr von Attinghausen und Willi Schmitt als sein Neffe Ulrich von Rudenz.

Die Hauprollen waren alle doppelt besetzt.

Am Stauffacherhaus, links vom Haus führt der Weg zu den Umkleideräumen, Pferdeställen, der Wache, dem Glockenturm usw.

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Am 19.09.1929 war die 50. Aufführung des Schauspiels "Wilhelm Tell" auf der Freilichtbühne Hohenstein. Die Spiele hatten bereits über 150.000 Zuschauer gesehen.

Wittener Tageblatt vom 18.September 1926

Am 8. und 9. Oktober 1926 zur Feier des hundertjährigen Stadtjubiläums gibt es eine freie Veranstaltung der Landesheimatspiele auf dem Hohenstein, die wegen Regens kurz nach Beginn abgebrochen werden musste. Die Bedürftigen bekamen einen Lebensmittelgutschein von je 4,- Mark.

Wittener Tageblatt vom 6.und 9.Oktober 1926

Die letzte Vorstellung in diesem Jahr war am 9. Oktober 1926.

Wittener Tageblatt vom 2. Oktober 1926

Das Stück wird 55 mal aufgeführt. Rund 200.000 Menschen, die Tribüne fasste immerhin 5.000 Zuschauer, sehen die Vorstellungen.

Blome: 40 Jahre Stadtverwaltung

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Die Tribüne wurde wahrscheinlich zum Ende des Jahres, oder Anfang 1927 erweitert, und fasste danach über 6.000 Zuschauer.

Dr. Konrad Maria Krug: Westfalenspiegel Oktober 1969 (Westfälischer Heimatbund)

 

Auch kritsche Stimmen gab es 1926, hier ein Leserbericht zu den Eintrittspreisen bei den Spielen, sowie den Preisen des Hohensteinwirtes aus der damaligen Wittener Zeitung.

 

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Diese Seite wurde erstellt am 09.10.2008 und zuletzt aktualisiert am: Donnerstag, 29.01.2015